MG B GT 1976


Der neue Alte - in dunklem Kleid kommt das "Gummiboot" recht elegant daher
(weitere Abbildungen:Rückansicht, Innenraum)

Klar ist MG-Fahren chic - aber mit einigen Graden unter Null ist es Geschäftsfreunden nicht wirklich zumutbar, im MGA mitgenommen zu werden. Und der Regenanzug ist nicht DAS modische Accessoire, dass die Kollegen am liebsten tragen. Ein neues Auto muss also her.

Ein Studium der Verkaufsprospekte und Ausstellungshallen macht schnell deutlich: Rover- over? Jaguar - warum nicht gleich Ford Mondeo? Porsche - Image-Probleme, bin kein Zahnarzt-Sohn; und für den Mercedes meiner Schwiegermutter bin ich noch nicht alt genug.

Wie wäre es mit MG? Wir fanden ein 5000-Euro-Angebot, 76er Gummiboot-GT in schwarz, "matching numbers", getönte Scheiben, heizbare Heckscheibe, Stahlschiebedach (teure Extras, vgl. Original-Kaufrechnung), mehr oder weniger erste Hand. Einziges Handicap: Kupplung rutscht. Für den erfahrenen Hobby-Mechaniker ist das nun wirklich keine Herausforderung. Dachten wir...

Nach zähem Verhandeln waren wir dann der stolze Eigner eines nicht fahrbereiten MGBGT - für ein bischen weniger als 5000 Euro, natürlich.

Nach dem Wechseln der Kupplung rutschte es immer noch im Antrieb. Der Overdrive? Hinterher wissens ja alle besser: "Rutscht es auch im 1. oder 2. Gang, ist es der Overdrive, sonst ist es die Kupplung." Trotzdem, vielen Dank für den Tipp.

Also einen neuen (Austausch-) Overdrive montiert - der allerdings nur knapp 2500 Kilometer lang Freude bereitete. Mitten in der Nacht, auf der Rückfahrt von einem Termin in Zürich, tat es unerwartet einen Riesenschlag bei ca. 120 km/h auf der Autobahn - Overdrive rausgeflogen, stattdessen ein spürbares Abbremsen im Antriebsstrang.

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Nachdem ich mich zu Ende erschreckt und den Overdrive ausgeschaltet hatte, war alles wieder ganz normal - nur liess sich eben der Overdrive nicht einschalten, jeder Versuch wurde von diesem unerklärlichen Bremsen begleitet. Schlechte Neuigkeiten abends um 8 auf der Autobahn, 650 Kilometer von zu Hause entfernt. Irgendwann so gegen halb drei in der Früh retteten wir uns dann in die heimische Garage. Schnell noch ein Getriebeölwechsel, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt - natürlich gab es keine Statusänderung.

Der Händler empfahl, einen anderen Overdrive einzubauen und die defekte Einheit zurückzusenden, vielleicht habe man (also ich) ja einen Einbaufehler gemacht? Ich fand es nicht so verlockend, das Beweisstück aus der Hand zu geben. Der Händler geniesst ja noch mein Vertrauen, aber bei Reklamationen mit MOSS habe ich schon schlechte Erfahrungen gemacht. Die Entscheidung stand also schnell fest: Selber nachgucken, den Motor samt Getriebe wieder herausziehen.

Grosse Freude bei vielen Schrauben und Muttern, schliesslich hatte man sich ja 1 1/2 Wochen nicht gesehen. Und ich staunte nicht schlecht, als ich den ausgebauten Overdrive hineinlugte:

Ein absolut ver- und zerstörtes Sonnenrad blinzelte mich an, auch das Planetengetriebe völlig hinüber. Die weitere Inspektion ergab, dass letzteres offensichtlich nicht wie im Werkshandbuch beschrieben ausgerichtet worden war. Und dadurch hat sich wohl bei eingelegtem Overdrive ein sehr starker Druck auf das Sonnenrad ergeben, was den "Bang!" nach 2.500 Kilometer erklären würde. Aus zwei defekten Overdrives (alter und neuer) liess sich glücklicherweise ein funktionsfähiger neuer basteln. 16 Stunden später - inklusive Motorlager tauschen, Lenkung neu abdichten etc. pp. - lief alles wieder einwandfrei.

Keine Geräusche (im Gegensatz zum alten O/D, der von Anfang an ein singendes Geräsch machte - war wohl das Sonnenrad, das vor Schmerzen wimmerte :-( - sehr weiches Einschalten. Bin sehr gespannt, wie lange das halten wird!

Unterm Strich

Die "informierten Quellen" auf den englischsprachigen Internet-Seiten vermittelten dem Overdrive-Neuling schnell das notwendige Grund-Know-How. Auf einigen weiteren Seiten (Overdrive Repair Service, Octarine Service) konnte man sich weitere Tipps holen. Der ultimative Trick:

Wenn der Overdrive nicht völlig ohne Probleme hinten auf das Getriebe geht (Unerlässlich! Niemals Gewalt anwenden dabei!) zerlegt man einfach in seine beiden Gehäsehälften und schiebt diese einzeln auf die Getriebewelle. Das klappt wunderbar!

Gerade geliefert: Der neue Overdrive.

Dagmar kümmert sich um den Motorraum, während die Motor/Getriebeeinheit auf die weitere Behandlung wartet.

Ein paar hundert Meilen später: Man sieht die nicht ausgerichteten Planetenräder (Pfeile, zum Vergrössern Bild anklicken).

Tod eines Sonnenrades.

Sogar die Oberfläche der Planetenräder ist angegriffen (zum Vergrössern Bild anklicken).

Alle Bilder sind Eigentum von Andreas Pichler.

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Anregungen an: pichler@mgcars.de